08 November 2009

Und wie hast du es erfahren?



Ich war 15, und es war mein erster Auftritt auf einer Theaterbühne. Wir spielten mit dem Schultheater ein ambitioniertes sozialkritisches Jugendstück namens "Diesseits des Regenbogens". Meine Mutter holte mich danach mit dem Auto ab, und als ich in den Wagen stieg, sagte sie - du, die Mauer ist offen!

Die Wochen zuvor habe ich sehr interessiert die Vorgänge in den Botschaften, in Ungarn und die Montagsdemonstrationen verfolgt. Es lag etwas in der Luft. Meine Eltern kamen selbst ursprünglich aus der DDR und waren kurz vor dem Mauerbau "abgehauen"; wir hatten aber Bekannte und Verwandte "drüben". Wir fragten uns, was wohl passieren würde, ob das SED-Regime die friedliche Revolution wohl niederknüppeln würde, wie beim Volksaufstand 1953, den meine Eltern mit 19 miterlebt hatten.

Ich war wirklich froh, als ich hörte, dass alles unblutig ablief, dass Verwandte und Bekannte in Sicherheit waren. Außerdem öffnete sich ja auch nicht nur dem Osten die Welt Richtung Westen, sondern auch dem Westen der Osten - das wird oft vergessen. Es war ja vorher kaum möglich, sich als Westler unregelmentiert im Osten herum zu treiben. Ostberlin war Feindesland, und wenn wir dort waren, hatte man angesichts der ganzen Vopos, der Grenzkontrollen und der paar Bravos, die man schmuggelte, immer eine dumpfe Angst im Bauch.

Ich sehe es heute mir Erstaunen, wie die Ostalgie die DDR heute verkitscht, als wäre alles nett und lustig gewesen, FKK und Sandmännchen, Ostschokolade und ein Kessel Buntes. Ich habe die DDR als sehr bedrückend erlebt, und ich weiß, dass auch unsere Bekannten dort es so empfanden außerhalb der kleinen heilen Welt ihrer Nachbarschaft. Man musste immer aufpassen, nichts falsches sagen, ein kleiner Witz in der Öffentlichkeit, und schon drehte man ängstlich den Kopf, ob das nicht wieder der Falsche gehört haben könnte.

Ostberlin war grau, trostlos, die Läden leer, die Schlangen davor oft lang.

Eine Freundin behandelt in ostdeutschen psychosomatischen Kliniken Menschen, die durch Stasifolter traumatisiert wurden und bis heute leiden.

Einmal wurden Briefe von unseren Bekannten abgefangen, wo sie etwas von einem "Herrn Meier" erzählten, der bei ihnen im Garten in der Gartenhütte lebte. Die Stasi schnüffelte in der Nachbarschaft herum, stellte Fragen.

Dabei war Herr Meier eine Ziege.

Aber ich muss gestehen, die Euphorie des Mauerfalls schwand in den Monaten danach bis zur Wiedervereinigung; einmal wurde man in der Schule etwas sehr ausgiebig mit dem Thema bombardiert, und mich nervte es an, dass mein politisches Feindbild Helmut Kohl die ganze weitere Vereinigung an sich riss, und außerdem hatte ich mit 15-16 ganze andere enorm wichtige Dinge zu tun - mich verlieben, mich die ersten Male betrinken, Partys feiern und Löcher in meine Jeans schneiden.

Und du?
Was hast du am 9.11. 1989 gemacht?

07 November 2009

Zen und die Kunst des Ingwerteekochens

Blätter fallen, mein Herz und Hirn werden leichter, das diffuse Krankheitsgefühl bleibt, aber sei's drum... trinke Ingwertee mit Zitrone und lese viel. Drückt mir die Daumen, dass ich halbwegs fit bliebe, nächsten Samstag feier ich hier ein bisschen! Freu mich drauf, mein Bedarf an Menschenmeiden ist wohl gestillt.

Las ein interessantes Buch über Zen - "Zen denken" von Benjamin und Amy Radcliff - das Zen aus westlicher Perspektive beschreibt und bei dem zum ersten Mal ansatzweise das Gefühl habe, zu verstehen, worum es im Zen überhaupt geht. Darüber kommt bald in Lesen.Lesen noch eine Rezension.

Mein Wildehemann ist familienfeiertechnisch bei den in-laws unterwegs, ich bleibe hier als Mutter-und-Katzen-Sitter. Außerdem ist meine beste Freundin auf Odenwaldbesuch, und wir wollen uns heute Abend treffen.

Meiner Mutter ist in letzter Zeit oft langweilig, dann fliegt sie aus ins Dorf und kommt mit Geschenken wieder - zuckerstarrende Kuchen und Teilchen. Da sie das als Diabetikerin nicht in nennenswertem Umfang essen darf und es lieb gemeint ist, nehmen wir das dann an uns, aber ich kann und will davon gar nicht viel essen.

Kriegt es der Wildehemann ;-).

03 November 2009

YouTube saved my day



Ja, "er" ist es! Mit 80er-Popper-Frisur, hihi.

Saftlos

Diffus missmutig, diffus erkältet, daraufhin diffuse Schweinegrippen-Hypochondrie ;-) - deswegen Voruntersuchung für Weisheitszahn-OP morgen abgesagt. Natürlich piekst und puckert es prompt los. Grh.

Lahmarschig und unkreativ im Beruf, fauler noch im sonstigen Bereich... dabei wäre ich jetzt gern aktiv und würde die regenfreien Momente nutzen, um draußen herumzustiefeln oder aber tolle Sachen zu schreiben!

*noch eine Portion Tigerbalsam auf die Brust schmier*

Immerhin haben wir Baumkatzen!

01 November 2009

Little Light

Samhain am Götzenstein

31 Oktober 2009

Samhain

Für alle Toten und Lebenden, die ich vermisse!



Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt,
der ist nicht tot, der ist nur fern;
tot ist nur, wer vergessen wird.

30 Oktober 2009

Durchatmen

Fast Samhain - Licht

Der diffuse Nebel draußen und in meinem Kopf begann gestern, sich zu verziehen.

War wenig produktiv diese Woche - bei der Arbeit und privat - aber ich habe einen Durchhänger gebraucht, um neuzustarten. Jetzt rattert lustig der Johanniskrautmotor in mir an, ich stellte gestern zum 10.000sten Mal fest, dass zwei Stunden Spazierengehen so ziemlich gegen alles hilft, und morgen werde ich mit Wildehemann irgendwo eine Burgruine samhainig bespuken.

Danke für die netten Kommentare zum Thema Muttern. Ich werde da noch öfter was drüber schreiben, denke ich. Und alle, die dabei selbst Angst kriegen, dass es sie bzw. ihre Verwandten mal erwischt - es ist nicht so schlimm wie die Angst davor! Das ist es mein Mantra, das bisher immer wahr war - außer bei Wurzelbehandlungen ;-).

Und jetzt überlege ich, wo ich am Wochenende Pilze sammeln gehe. Die Parasolpilze wachsen gerade wie wild, und die kann man gut essen - sind lecker, und es ist was dran!

 
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